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4. Dezember 2007 / Eingestellt von thw um 08:58 /

Die fünfte Berlin Biennale hat weitere Details bekannt gegeben:

Die von Adam Szymczyk und Elena Filipovic kuratierte 5. berlin biennale für zeitgenössische kunst wird aus zwei Teilen bestehen, die bei Tag und Nacht stattfinden.
Tagsüber werden künstlerische Arbeiten und Projekte – darunter zahlreiche Neuproduktionen – an drei verschiedenen Hauptausstellungsorten zu sehen sein. In der Nacht setzt sich die Ausstellung in Form von allabendlichen Veranstaltungen an sehr unterschiedlichen Orten in der ganzen Stadt fort. Die eher klassische Präsentationsform der Ausstellung am Tag wird während der 5. berlin biennale räumlich und zeitlich in die Nacht ausgeweitet. Die KuratorInnen bringen KünstlerInnen verschiedener Generationen aus aller Welt zusammen und legen dabei den Schwerpunkt auf einen intensiven Dialog mit den KünstlerInnen, auf neue Produktionen sowie auf kontextbezogene Projekte.

Für die Ausstellung am Tag wurden drei sehr unterschiedliche Orte ausgewählt. Entscheidend für die Auswahl der Orte war neben der bedeutenden kulturellen und kulturpolitischen Bedeutung der Orte ebenso die stadthistorische und geopolitische Rolle, die diese Orte in unterschiedlichen Transformationsprozessen Berlins eingenommen haben. Ebenso wichtig ist, dass jeder dieser Orte eine andere Form von Ausstellungsraum bietet, mit ganz eigenen Rahmenbedingungen für KünstlerInnen, Kunstwerke und BetrachterInnen.

Die KW Institute for Contemporary Art sind Geburtsort, Veranstalter und traditioneller Ausstellungsort der berlin biennale. 1991 wurde die Institution in einer ehemaligen Margarinefabrik in der Auguststraße 69 in Berlin-Mitte mit dem Ziel gegründet, einen neuen Ort für Präsentation, Produktion und Vermittlung von zeitgenössischer Kunst zu schaffen. Die KW haben keine eigene Sammlung, demgegenüber war es von Anfang an Ziel der Institution als Labor und Ort für neue Entdeckungen zu agieren und die Vielschichtigkeit und Schnelligkeit zeitgenössischer Entwicklungen aufzuspüren. Der sanierte und inzwischen denkmalgeschützte Gebäudekomplex beherbergt heute Ausstellungsflächen sowie Wohn- und Arbeitsräume für KünstlerInnen. National und international sind die KW zu einem der anerkanntesten und viel besuchtesten Orte für zeitgenössische Kunst in Berlin geworden.

Die von 1962 bis 1968 von Mies van der Rohe erbaute Neue Nationalgalerie ist eine der wichtigsten Ikonen moderner Nachkriegsarchitektur in Berlin. Die strategisch nahe der Berliner Mauer im ehemaligen West-Berlin gebaute Institution war lange Zeit umstrittenes Symbol im Kulturkrieg zwischen Ost- und West-Berlin und deren jeweiligen politischen Ideologien. Gegenwärtig ist sie der meist frequentierte Ausstellungsraum für Kunst in der Hauptstadt. Die 5. berlin biennale wird das Erdgeschoss nutzen, das 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche in einem Glaskubus umfasst, dessen Transparenz die Unterscheidung zwischen Innen- und Außenraum aufhebt und damit die Neutralität des “White Cube” als konventionelles Ausstellungsformat herausfordert.

Der Skulpturenpark Berlin-Zentrum ist kein typischer “Veranstaltungsort”. Er umfasst über 60 leere Parzellen eines innerstädtischen Geländes. Diese Brachfläche auf dem ehemaligen Mauerstreifen, umgeben von einem westlich und östlich entwickelten Stadtraum, ist sowohl Symbol als auch Ausdruck für innerstädtische Anlagespekulationen. Heute ist das Gelände von stereotypen Büro- und Wohnhäusern umgeben und von Unkraut überwuchert. Es wird von fünf Künstlern, dem Kollektiv KUNSTrePUBLIK e. V. genutzt, das der Fläche den Namen Skulpturenpark Berlin-Zentrum gab und begann, mit den unterschiedlichen EigentümerInnen zusammen zu arbeiten, um verschiedene Ausstellungen und Veranstaltungen durchzuführen. Die leeren Parzellen zwischen den historischen Bezirken Mitte und Kreuzberg liegen exakt auf dem “Todesstreifen” der ehemaligen Berliner Mauer und damit auf der Grenzlinie zwischen dem ehemaligen Ost- und Westteil der Stadt. Nicht zuletzt, da das Gelände nicht definiert ist und wie ein “blinder Fleck” im Stadtzentrum wirkt, bietet es für KünstlerInnen im inzwischen weitestgehend transformierten Stadtraum von Berlin einen ungewöhnlichen Reiz, auf seine besonderen historischen, politischen und gegenwärtigen Eigenheiten einzugehen.

Der in der Nacht stattfindende Teil der Ausstellung hat ein offenes Format und wird sowohl an den drei genannten Hauptausstellungsorten als auch an einer Vielzahl weiterer Orte stattfinden. Vorträge, Gespräche, Performances, Konzerte, Workshops, Film- und Videoscreenings sowie andere Veranstaltungen werden an dafür geeigneten Orten während der Laufzeit der 5. berlin biennale stattfinden. Diese stehen thematisch im Dialog mit den in der Ausstellung am Tag präsentierten KünstlerInnen, Werken, Ideen und deren Produktionsprozess. KünstlerInnen und DenkerInnen unterschiedlicher Bereiche haben damit die Gelegenheit – außerhalb der räumlichen und zeitlichen Grenzen eines Ausstellungsraumes – den von Neugier geleiteten Versuchen freien Lauf zu lassen, Experiment und Improvisation in den Mittelpunkt zu stellen und neue Werke zu produzieren oder bereits existierende neu zu bearbeiten.
Die mehr als 62 Abende eigenwilliger Veranstaltungen in Kombination mit der Ausstellung am Tag laden die BesucherInnen ein, sowohl viele verschiedene Kunstformen als auch besondere Orte und Geschichten der Stadt zu erleben.



Einem Interview auf art-in-berlin mit Stephan Landwehr, Betreiber des Schinkelpavillons, ist zu entnehmen, dass die Berlin Biennale diesen Raum schon vor Eröffnung der eigentlichen Biennale bespielen wird.

Wir werden heute mal die Pressevertreterin der Biennale ansprechen, um Details zu erfahren. Es lohnt sich also, hier wieder vorbei zu schauen, so und so....


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