philosophos mansisses

25. September 2010 / Eingestellt von thw um 12:58 / 0 Kommentare

davor liest man gewöhnlich die zwei Worte:

si tacuisses...

Das fiel mir ein als mir die Einladungskarte




von Barbara Wien und Wilma Lukatsch zur Vernissage von Ludwig Gosewitz in die Hände fiel.

Da findet sich der schöne und komplexe Satz:

"Alles ist auch nur da, damit das, was nicht da ist, entlastet wird."

Ja, so ist es. Und ich kann meine Begeisterung gar nicht mehr züngelnnle nnerr




Am 1.10.10 gibt es die Vernissage mit anschliessender Lesung in der Komischen Oper....

Der KRIMI zum Wochende

Eingestellt von thw um 12:44 / 1 Kommentare


inklusive Kunst

wie sie sich Lieschen Müller vorstellt. Das wollten wir schon immer wissen. Aber mit der Ausdifferenzierung des Kunstpublikums hier in Berlin gehen auch die jeweiligen Vorstellungen der Kunst ziemlich auseinader.

Beispielhaft lie sich diese Ausdifferenzierung anlässlich der Schliessung der temporären Kunsthalle erleben. Selbst Gerwald Rockenschaub kannten kaum einen, außer Eva Grubinger. Mir ging es nicht besser....

Aber morgen schauen wir uns erst mal den TATORT an....


P.S.: Der Ausschnitt stammt aus der Berliner Zeitung von heute.

Doppelt hält besser

Eingestellt von thw um 12:27 / 0 Kommentare




Geschafft. Heute kam das Paket noch rechtzeitig mit dem zweiten Teil des Themenbandes zur Fiktion der Kunst oder der Kunst der Fiktion.

Wer einen Blick in das Exemplar werfen will, kann am Sonntag um 18 Uhr in der Paris Bar reinschauen anlässlich des Launchs von Band 2 und dem Relaunch 'Der unbekannte Künstler' von Warren Neidich.

Cu? Vielleicht schaut Luther Blissett auch vorbei.... Sophie bleibt in Paris.




Itze hat schon alles gelesen...

Abgelehnt

Eingestellt von thw um 12:04 / 0 Kommentare



AUS und VORBEI!


In Zürich ist Kulturkampf und irgendwie beneiden wir die Züricher. Denn es geht um Kunst im öffentlichen Raum.

Dabei handelt es sich um eine Arbeit von Thomas Demand für eine Brache von besonderer Güte, der eine Aufwertung durch das Werk in situ zu gute kommen würde.

Aber die Rechten tun immer das, was sie am besten können: stänkern.
Dahinter aber steht eine andere Frage:

Darf ein Volksentscheid Kunst verhindern?

Der Idee des Künstlers Thomas Demand, ein abgerissenes chinesisches Haus in Zürich wiederzuerrichten, begegnet die Schweizer Volks Partei mit einer Volksabstimmung. Soll Kunst in einem demokratischen System abwählbar sein?


Mehr dazu in www.faz.net.

Vollständigen Seitenverweis:
http://faz.net/-01i7ls


Gerade rein gekommen

23. September 2010 / Eingestellt von thw um 15:10 / 0 Kommentare

Alles klar?


7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 2012


Pressemitteilung
Berlin, 23. September 2010


Artur Żmijewski zum Kurator berufen

Die KW Institute for Contemporary Art in Berlin freuen sich, die Berufung von Artur Żmijewski zum Kurator der 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst bekannt zu geben.
Die 7. Berlin Biennale wird im Frühjahr 2012 stattfinden.

Der Künstler Artur Żmijewski, geboren 1966 in Warschau (Polen), arbeitet vor allem in den Medien Fotografie und Film. Insbesondere interessiert er sich für das Machtpotential von Kunst und ihren Verknüpfungen zur Politik. Mit nahezu anthropologischem Blick untersucht er soziale Normen, Moral und die Machtrepräsentationen in der heutigen Gesellschaft sowie den Einfluss, den zeitgenössische Kunst ausüben kann. Żmijewski studierte von 1990 bis 1995 in der Bildhauerklasse von Professor Grzegorz Kowalski an der Warschauer Kunstakademie und 1999 an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam. Seine Arbeiten werden international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. 2005 repräsentierte er Polen auf der 51. Kunstbiennale von Venedig. Er ist Mitglied der politischen Bewegung "Krytyka Polityczna" in Polen und künstlerischer Leiter des gleichnamigen Magazins. Żmijewski lebt und arbeitet in Warschau.

Das Auswahlkomitee für die Kuratorenschaft der 7. Berlin Biennale bestand aus Jacob Fabricius, Malmö Konsthall; Bartomeu Mari, MACBA – Museu d’Art Contemporani de Barcelona; Matthias Mühling, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München; Joanna Mytkowska, Museum für Moderne Kunst Warschau und Hoor Al Qasimi, Sharjah Biennial.

Seit ihrer 4. Ausgabe wird die Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst von der Kulturstiftung des Bundes als "kulturelle Spitzeneinrichtung" gefördert. Die Förderung von 2,5 Millionen Euro pro Ausgabe garantiert der in dieser Stadt "wichtigsten Veranstaltung für internationale zeitgenössische Kunst" Planungssicherheit, die es den VeranstalterInnen der Berlin Biennale erlaubt, sich in grundsätzlicher Art und Weise auf inhaltliche Aspekte zu konzentrieren.

Seit der Gründung 1998 hat sich die Berlin Biennale zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen für zeitgenössische Kunst entwickelt. In Berlin, mitten in der bewegten kulturellen Szene der sich schnell verändernden Hauptstadt Deutschlands, hat die Berlin Biennale eine enthusiastische Resonanz vom Publikum als eine experimentelle, zukunftsorientierte, kontextbezogene Ausstellung erhalten.

Die sechs bisherigen Ausgaben der Berlin Biennale haben eine Vielzahl von Ausstellungsformaten untersucht und unterschiedlichste kuratorische Ansichten vorgestellt.

Bisherige KuratorInnen waren:
1. Berlin Biennale (1998): Klaus Biesenbach mit Nancy Spector und Hans Ulrich Obrist
2. Berlin Biennale (2001): Saskia Bos
3. Berlin Biennale (2004): Ute Meta Bauer
4. Berlin Biennale (2006): Maurizio Cattelan, Massimiliano Gioni und Ali Subotnick
5. Berlin Biennale (2008): Adam Szymczyk und Elena Filipovic
6. Berlin Biennale (2010): Kathrin Rhomberg


Die Berlin Biennale wird organisiert durch die KW Institute for Contemporary Art und
gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Rauf oder runter?

Eingestellt von thw um 14:34 / 1 Kommentare

Das kommt auf die Perspektive an angesichts der Ausstellung von Pae White in der

Sammlung Schürmann

gegenüber der Volksbühne.

Was aussieht wie Aluminium ist mechanisch gewebt...s.u.























Pae White
Colored Crinkle, 2009

cotton & polyester
115 x 324 inches
292 x 823 cm


Fundstücke

Eingestellt von thw um 14:12 / 0 Kommentare



Da war ich mal wieder mit der U-Bahn unterwegs, irgendwo in Friedrichshain. Bei der Betrachtung eines Plakats fallen mir plötzlich Krakeleien auf dem Plakat auf, in der linken oberen Ecke und in der rechten unteren Ecke.





Ich frage mich also, wie die dahin kommen. Und es wird deutlich bei genauerer Betrachtung, dass die Krakeleien Teil des Plakats, der Werbung sind.

Zu welchem Zwecke? Oder hat sich der Grafiker nur gelangweilt und dem Supervisor ist der 'Fehler' gar nicht aufgefallen....

Aushalt

21. September 2010 / Eingestellt von thw um 16:26 / 0 Kommentare

ist das Gegenteil von Inhalt.

So habe ich vor kurzem diese Einladung zur Ausstellungseröffnung des Haus am Lützowplatz erhalten




Den Brief erwartungsvoll geöffnet und was habe ich vorgefunden: Leere.



Dafür stand alles auf dem Rücken des Umschlags.

Ab sofort nennen wir das 'Aushalt', der Inhalt ist ausgeschaltet.

Hoffen wir, dass die Ausstellung nicht ebenfalls mit Aushalt arbeitet.


P.S.: Unbedingt auf auf den Link klicken bei 'Haus am Lützowplatz'. Da sieht man, was ich meine!

Alice? Hinter den Spiegeln?

20. September 2010 / Eingestellt von thw um 19:52 / 0 Kommentare



mit frischem Grün im Hof

Alkohool

Eingestellt von thw um 16:37 / 0 Kommentare


Jedenfalls sehen die Künstlernamen so aus als wären sie von Etiketten von Likören etc. abgenommen. Im 'Direktoren Haus' ?

Dennoch ist diese Einladung beeindruckend. Gibt es eigentlich einen Preis für gelungene Einladungskarten?

Und Berlin

13. September 2010 / Eingestellt von thw um 11:48 / 1 Kommentare

Wer des öfteren hier reinschaut, weiß, daß der Autor dieser Zeilen ein heftiger Anhänger des MACBA in Barcelona ist. Und angesichts dieser Meldung, gibt es wieder einen Grund dafür:

The History of Exhibitions: Beyond the Ideology of the White Cube (Part Two) Lecture Series The MACBA continues the rereading of contemporary art history that began in Autumn 2009 with a new lecture series focussed primarily on exhibitions of the 80s. Lecturers include Marcelo Araújo (Pinacoteca do Estado de São Paulo) on the XVI São Paulo Art Biennial (1981), Mary Anne Staniszewski (The Rensselaer Institute, New York) on the construction of a visual culture at MoMA through its exhibitions, Kasper König (Ludwig Museum, Cologne) on Westkunst (1981) and Von hier aus (1984), a special session on Earth Art (1969) with Lars Bang Larsen, Jan Hoet on Chambres d'amis (1986), and Jean-Hubert Martin on Magiciens de la terre (1989). The series will close with a talk by Seth Siegelaub, who will discuss his groundbreaking exhibition projects of the 60s.
Mondays 4, 18 and 25 October, and 8, 15, 22 and 29 November, at 7 pm
MACBA Auditorium. Limited seating
Registration from 13 September on www.macba.cat


Andererseits aber zeigt sich an den genannten Ausstellungen auch, dass Berlin in der Vergangenheit
kein Ruhmesort für großartige Ausstellungen war. Christos M. Joachimides sieht das sicher anders und die ehemaligen Kultursenatoren wohl auch. Aber es kann ja immer noch besser werden. Verpasste Chancen gab es auf jeden Fall. Aber wenn Politik Grundlage kultureller Entscheidungen ist, bleibt nichts anderes zu erwarten.

Der Kommentator kann dabei auf eigene Erfahrungen zurück greifen:



Also lieber 'Berlin Tokyo' als 'Nonlinear Eine Retrospektive der Gegenwart'.

P.S.: Das ist auch für alle, die den Sticker an meinem Revers gesehen haben und sich keinen Reim darauf machen konnten.

Die Rückseite der Vorderseite der...

12. September 2010 / Eingestellt von thw um 20:09 / 0 Kommentare




Ja, sowas...

Jubelgeschrei!?

11. September 2010 / Eingestellt von thw um 14:47 / 0 Kommentare



haben wir nicht gehört, obwohl dieser Galerienführer Grund zum Jubilieren ist, denn endlich haben auch die freien Ausstellungsorte ihren Guide durch den Dschungel der Räume und Angebote.Und eine Art Vernissagenkalender (siehe linke Seite auf der Abbildung) findet sich auch noch dabei..
Und auf der homepage wird man noch mit mehr Informationen gefüttert für Lesungen, Diskussionen und etc.. Dafür gibt es da auch eine 'Meldestelle'.

Und hier die Übersicht auf der 'Landkarte':

Meta Rektorin

Eingestellt von thw um 14:11 / 0 Kommentare

Aus gemeinhin sicheren Quellen ist uns folgende Nachricht zugespielt worden:

Ute Meta Bauer wird die kommende Rektorin der Kunsthochschule Weissensee

werden. Alles weitere zu Ute Meta Bauer erstmal an dieser Stelle .

Wir freuen aus auf eine gute Zusammenarbeit....

Lektüre zum Wochenende

Eingestellt von thw um 13:47 / 0 Kommentare

Der Perlentaucher findet in dem Angebot auch mal tatsächlich Perlen. Und sei es die Bildbetrachtung in der NZZ von heute

Einladung zum Staunen

Georges de La Tours «L'adoration des bergers». Von Anne Weber

und das Staunen findet im Falle von Georges de la Tour kein Ende. Geboren 1593 in Vic-sur-Seille, Lothringen und gestorben 30. Januar 1652 in Lunéville sind seine Gemälde von einer frappierenden Modernität, die einen an Chuck Close oder Filmaufnahmen erinnern.





Das gute Schicksal

1633-1639


Öl auf Leinwand

102 × 123 cm

Metropolitan Museum of Ar
New York


Ein Original und eine Kopie finden sich auch hier in Berlin:

  • Erbsen essendes Bauernpaar, Berlin, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Berlin
  • Kopie von Die Auffindung des Heiligen Sebastian, Berlin, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Berlin

Wir sehen uns dann nachher oder morgen...

Vorschau

8. September 2010 / Eingestellt von thw um 17:45 / 0 Kommentare

Demnächst erscheint der zweite Band des Kunstforum zum Thema

Kunst der Fiktion


Hier das Cover des ersten Bandes



Das Cover des zweiten Band wird noch bearbeitet und ich bin schon neugierig. Im zweiten Band wird eine gekürzte Version dieses Editorials erscheinen:

Funktion Fiktion

Der Test auf die Wirklichkeit bleibt eine Täuschung, auch wenn wir uns dabei eine blutige Nase holen. Aber diese blutige Nase ist Teil der gleichen Wirklichkeit, die wir gerade testen wollten. Somit befinden wir uns in einem infinitem Regress. Um aus diesem Regress heraus zu kommen, brauchen wir etwas, dass sich von der Realität unterscheidet und dabei doch auch Vergleichsmöglichkeiten bereit hält. Derartige Anforderungen erfüllt die Fiktion, sowohl im Modus der Referenz als auch in der Differenz. Die Differenz offenbart sich,wenn man nach der Herkunft des Wortes fragt. Es leitet sich ab vob lateinischen fingere, was folgende Bedeutungen beinhaltet „gestalten“, „formen“, „sich ausdenken“. Wo 'Realität' immer schon vorhanden ist, ist Fiktion ein Moment der Gestaltung, der Formung, wenn nicht sogar schon 'Form'.

Mit dem Begriff der Form aber sind wir schon sehr nah an der Kunst und deren Formgestaltung. Das hat sehr wenig mit Design zu tun und dem begleitendem Schlachtruf 'form follows function' (Form folgt der Funktion). Im Falle der nicht angewandten Kunst müsste der Schlachtruf lauten: 'form denies function' (Form verleugnet Funktion). Zumindest kann das gelten für die abstrakte Kunst, die nicht mehr abbilden will, höchstens noch sich selbst: Kunst der Fiktion. Das stellt gleichzeitig die Frage nach dem Verhältnis zur Wirklichkeit: Fiktion der Kunst. Die bildende Kunst ist keine Kunst der Dokumentation. Selbst der Realismus ist kein Akt der Dokumentation, sondern ein Akt der richtigen Abbildung. Das abstrakte Moment hat gegenüber dem realistischen immer den Vorrang. Insofern liesse sich behaupten, Kunst sei selbst eine Fiktion. Deren Darstellungsmittel, Leinwand, Öl sind real, dem damit erstellten 'Bild' kommt der Status des Fiktiven zu.

Die Funktion 'Fiktion' dient dazu, den Realitätsgehalt fest zu stellen. Dieser ist mittlerweile immer mehr zur Disposition gestellt angesichts einer Bilderfülle, die jegliche Dimension überschreitet. Das hat seine Folgen. Können wir uns noch die unschuldigen Bilder von Didier Bay vorstellen (siehe Kunstforum Bd. 202, S.72 bis 75), ohne an eine Überwachungskamera zu denken. Erwarten wir hier nicht eine Inszenierung der Wirklichkeit? Tatsächlich mag uns ein Blick auf die Entstehungszeit, Ende der siebziger Jahre, beruhigen. Aber was heisst das für die unmittelbare Gegenwart?

Im Jahre 1987 hat der Autor eine Themenheft des Kunstforum veröffentlicht mit dem seltsamen Titel 'Realkunst-Realitätskünste' (Bd. 91). Die 'Erklärungmuster' für diese spezifischen Äusserungen einer zeitgenössischen Kunst lauteten damals:

Internalisierung der Kunst

Ästhetisierung der Alltäglichkeit

Fiktionalisierung der Realität

Unter dem letztgenannten lassen sich folgenden Zeilen finden: "Das Spektakel im Sinne Debords ist tatsächlich zur Wirklichkeitsform geworden: »Das Spektakel ist nicht ein Ganzes von Bildern, sondern ein durch Bilder vermitteltes gesellschaftliches Verhältnis zwischen Personen.« (Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, Hamburg 1978, S. 6,) Dieses Verhältnis und deren Konsequenzen sind mit dem Stichwort 'Fiktionalisierung der Realität' bezeichnet worden. Wenn das Bild nicht mehr als Bild erscheinen kann, weil der Gegenstand schon selber zum Bild geworden ist, wie kann er gerettet werden?

Was hat sich geändert? Nicht viel und dennoch genug. Die Unterscheidung zwischen Realität und Fiktion ist nicht mehr eindeutig zu ziehen. Was damals 'Spektakel' genannt wurde, könnte heute Fiktion genannt werden, wobei der Begriff 'Spektakel' damals und auch heute noch negativ besetzt ist.

Dazu kommt ein weiteres wichtiges Momentum, dass sich im Jahre 1987 noch nicht so deutlich zeigte: der digitale Komplex. Das Wort 'Komplex' steht hier bewusst, weil es sich tatsächlich um einen gesellschaftlichen Wandel handelt, der nur andeutungsweise mit dem Begriff 'Komplex' angedeutet werden kann. Der Umbruch war und ist schleichend, aber er hat Auswirkungen auf die Bildhaltigkeit unserer Realität, insofern das Bild nicht mehr als Abbild zu identifizieren ist. In den Architekturen von Maja Weyermann deutet sich dieser Wandel: die Räume sind digitale, sowohl in der Produktion als auch in der Abbildung. Ihre 'Bewohnbarkeit' ist tatsächlich fiktiv, und dennoch erscheinen die Räume als real, auch in ihrer eigentümlichen Verzerrung. Von diesen Räumen zu den Hotels und Erholungsressorts von Monica Studer und Christoph van den Berg ist es nur ein kurzer Weg. Da ist die 'Virtual Tourism Organisation' dann auch real wie virtuell.

Modelle

Wenn das Modell als Realität Akzeptanz erfährt, dann verändert sich der Sinn und der Gebrauch des Modells. Welchen Status nehmen die Mikronationen ein, von denen Susan Kelly berichtet in Rückblick auf das erste Treffen der fiktiven Staaten. Die Fiktion eines Staates hat einen spezifischen Sinne. Wo Thomas Morus sein 'Utopia' fingieren musste, können die Micronationen schon mit offiziellen Vertretern auftreten. Gegenwart und Geschichte vermischen sich, sei es in der virtuellen fiktiven Fluglinue 'Ingold Airlines' oder der Entdeckung der verschollenen Volkes der Khuza. Deren Vorstellung auf der Ausstellung 'Sieben Hügel' , im Jahre 2000 im Berliner Martin-Gropius-Bau, löste einen kleinen Skandal aus. Würde man heute ähnlich reagieren auf diese Entdeckung? Nein, denn die Differenz zwischen Wahrheiz und Fiktion ist kleiner geworden. Wir sind es mittlerweile gewohnte, mit Modellen zu arbeiten, deren Wahrheitsgehalt sich erst in der Benutzung, im Gebrauch erschliesst. Wenn die Eintrag zum 'Museum für Moderne Kunst München' teilweise aus dem Internet Lexikon Wikipedia gelöscht werden, dann nimmt sich das Lexikon selbst zu Ernst und missversteht seine eigene Bedeutung. Das sich der Künstler hinter dem fingierten 'Museum für Moderne Kunst München' dagegen wehrt, ist nachvollziehbar, erreicht er doch mit der Nennung in Wikipedia eine ganz andere 'Besucherschicht'.

Der übliche Werkbegriff der zeitgenössischen Kunst ist hier aufgehoben. Die distinkte, unterscheidbare Einheit geht auf im Begriff des 'Modell' als fiktive Entität. Kunst wird zur Modellbildung. Und die schafft dann auch gleichzeitig die Kreation eines dazu passenden Künstlers.

Die Figur des Künstlers

Gegenüber dem Werk behauptet die Figur des Künstlers den Vorrang. Gottgleich schwebt er als Schöpfer neuer Welten über dem Volk, das dem pontifex maximus huldigt. Die Legenden zum Künstler bevölkern die abendländische Literatur. Die Legenden sind Fiktionen und dennoch zeigt sich in diesen Fiktionen der Vorrang des Künstlers gegenüber dem Werk. Davon lässt sich ein Abglanz noch finden in Daniel Kehlmanns Künstlerroman 'Ich und Kaminski'. William Gibson schreibt ein Buch über den Künstler Nat Tate und lässt zu Veröffentlichung Andy Warhol auftreten. Stefan Koldehoff hat in einer umfangreichen Studie dargestellt, wie der Kunsthändler Julius Meier-Gräfe den Künstler Vincent van Gogh 'erfindet'. Und die Figur Andy Warhol ist die Erfindung eines Künstlers mit dem selben Namen. Der Schritt zum unbekannten Künstler ist eine späte Konsequenz. Dieser Unbekannte Künstler war überall dabei, bei den Trinkgelagen und bei den Kunstereignissen. Aber wir haben ihn irgendwie übersehen. Mit der Anwesenheit des Unbekannten Künstlers aber wird die Kunstgeschichte selbst zu einer Fiktion. Da kann man dann auch den Ausstellungskatalog der 'International Exhibition of Modern Art' finden, mit dem Ort New York und dem Datum 'Februrary Seventeenth to March Fifteenth' 2013.

Oder man ruft die Funktion des Anonymen Künstler auf, der als Widerspruch zum eigentlichen Künstler zu verstehen ist. Stefan Heidenreich hat zu dieser Funktion in seinem Beitrag 'N.N.,o.T.-Das Gesetz des Eigennamens in der Welt der Kunst' das Wesentliche gesagt. Dennoch gibt es die Figur von 'Luther Blisset', deren 'Anonymität' noch nicht aufgedeckt wurde. Verbirgt sich dahinter eine Gruppe oder einzelnes Individuum? Keine Antwort. Ähnlich verhält es sich mit der Künstlergruppe 'Claire Fontaine', deren Mitglieder vielleicht nur dem Galeristen bekannt sind.

Sollten wir also annehmen, dass ein wesentlicher Zug der sogenannten Bildenden Kunst eine Erzählung ist, die sich den Anschein des Faktischen gibt. Zumindest gibt es die Erzählung oder die Erzählungen einer bildenden Kunst, auf die man sich einen Reim machen kann. Fakt und Fiktion liegen nahe beieinander. Und manchen mag die Nähe unangenehm berühren. Aber eine Historie der zeitgenössischen ist immer auch eine 'Geschichte', im doppelten Sinn des Wortes. Vielleicht ist die Fiktion nur eine Seite der Realität, die wir wahrnehmen, als sei sie Realität.

Thomas Wulffen


[i] Ein unendlicher Regress liegt vor, "wenn die Bedingung (Ursache) selbst wiederum ein Bedingtes (Wirkung) ist und dies sich unbegrenzt fortsetzt". Siehe http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/654343#cite_note-0

"Lasst dicke Bücher um mich sein!"

3. September 2010 / Eingestellt von thw um 13:53 / 0 Kommentare

sprach der Kunstkritiker und liess sich folgendes Buch zusenden:



Mit 4,7 Zentimeter Dicke gehört es zu den Exemplaren, die zuerst einmal durch ihrem Umfang überzeugen. Der Titel ist aber genauso überzeugend. Die Diskussion, die im Buch beinhaltet ist, fand in der Bergen Kunsthall statt. Details unter dem Link bei'Buch'.

Leider hat diese Diskussion nicht in Berlin stattgefunden. Die diesjährige Biennale war am Ende leider eher ein Argument dafür, diese Biennale zur Triennale werden zu lassen. Und wenn es nur ein einziges Mal ist.

So sollte die Verantwortlichen dann mal zu diesem Buch greifen, um möglicherweise zu erfahren, was zu tun ist.

Berlin=New York

1. September 2010 / Eingestellt von thw um 16:12 / 0 Kommentare

An diesen Vergleich muss man unwilkürlich denken, wenn man von einer Neugründung auf dem Feld der Berliner Galerrien hört, der sich so nennt:

Berlin Gallery District

Monopol meldet das auf seiner Internet-Seite und ich habe durch die Mitteilung einer Galerie davon Kenntnis erhalten.

Demnächst soll es eine homepage dafür geben und weitere Services.

Wir haben dazu noch weitere Vorschläge:

Berlin Playground District

Berlin Culture District

Berlin Bitch District....

Jetzt warten wir natürlich alle auf die homepage.